An der Börse geht es nicht nur um Zahlen, Daten und Fakten. Ein großer Teil der Anlageentscheidungen wird durch Psychologie bestimmt. Ein besonders verbreiteter Fehler ist der Herdentrieb: Anleger orientieren sich an der Masse und investieren, nur weil „alle anderen“ es ebenfalls tun. Dieses Verhalten mag auf den ersten Blick Sicherheit geben – schließlich können viele Menschen nicht irren, oder? Doch an den Finanzmärkten führt der Herdentrieb oft genau ins Gegenteil: zu überhöhten Kaufpreisen, großen Verlusten und verpassten Chancen.

Der Fehler: Kaufen, weil es die anderen auch tun

Viele Anleger fühlen sich unwohl, wenn sie das Gefühl haben, etwas zu verpassen. Wenn Medien von Kursrekorden berichten oder Freunde und Bekannte von schnellen Gewinnen schwärmen, wächst die Versuchung, ebenfalls einzusteigen. Dieses Phänomen ist auch als FOMO („Fear of Missing Out“) bekannt. Die Folge: Anleger kaufen häufig dann, wenn ein Trend schon weit fortgeschritten ist und die Kurse bereits sehr hoch stehen.

Ein historisches Beispiel dafür ist die Dotcom-Blase (1999–2000). Internetaktien galten damals als das Investment der Zukunft. Unzählige Anleger stürzten sich auf Firmen, die oft kaum ein tragfähiges Geschäftsmodell hatten. Das Argument war schlicht: „Alle investieren – also mache ich auch mit.“ Doch als die Euphorie platzte, verloren die Aktien massiv an Wert, viele Unternehmen verschwanden komplett vom Markt. Privatanleger, die blind der Masse gefolgt waren, erlitten erhebliche Verluste.

Ähnliche Muster sieht man immer wieder. Ob beim Immobilienboom, beim Gold-Hype oder bei Kryptowährungen: Die Masse investiert meist dann, wenn ein Trend schon seinen Höhepunkt erreicht hat. Wer erst dann kauft, trägt oft das höchste Risiko.

 

DAX-Herdentrieb-Internetblase-Dotcom

Quelle: Infront

 

Warum der Herdentrieb so gefährlich ist

Das Problem am Herdentrieb liegt darin, dass Anleger in solchen Phasen Risiken ausblenden. Die Euphorie der Masse vermittelt ein trügerisches Gefühl von Sicherheit. Gleichzeitig werden Stimmen, die zur Vorsicht mahnen, ignoriert. Viele Anleger verlassen sich nicht auf eigene Analysen, sondern übernehmen unkritisch die Stimmung der Mehrheit – und laufen so Gefahr, teuer zu kaufen und günstig verkaufen zu müssen.

Die Lösung: Eigenständig denken und kritisch prüfen

Um den Herdentrieb zu vermeiden, ist es entscheidend, sich nicht von Schlagzeilen oder dem Verhalten anderer leiten zu lassen. Für Privatanleger bedeutet das:

  • Geschäftsmodelle prüfen: Bevor man investiert, sollte man verstehen, wie ein Unternehmen Geld verdient und ob es langfristig tragfähig ist.
  • Persönliche Strategie einhalten: Eine Investition sollte immer zum eigenen Anlageziel und Risikoprofil passen – nicht zur Stimmung im Freundeskreis oder in den sozialen Medien.
  • Kritisch hinterfragen: Würde ich diese Anlage auch kaufen, wenn gerade niemand darüber spricht? Wenn die Antwort „nein“ lautet, ist Vorsicht angebracht.

Eine praktikable Lösung ist es zudem, mit breit gestreuten ETF-Sparplänen langfristig Vermögen aufzubauen. Sie nehmen Anlegern die Versuchung, kurzfristigen Hypes hinterherzulaufen, und sorgen dafür, dass man in guten wie in schlechten Zeiten investiert bleibt.

Fazit: Beim Herdentrieb ist Unabhängigkeit entscheidend

Der Herdentrieb ist einer der gefährlichsten Anlagefehler, weil er das Gefühl von Sicherheit vorgaukelt, während tatsächlich hohe Risiken bestehen. Wer sich blind an der Masse orientiert, läuft Gefahr, überteuerte Werte zu kaufen und später schmerzhafte Verluste hinzunehmen.

Für Privatanleger gilt daher: Nicht die Menge entscheidet über den Erfolg, sondern die eigene, wohlüberlegte Entscheidung. Wer eigenständig denkt, sorgfältig recherchiert und langfristig investiert, schützt sich vor den Fallstricken des Herdentriebs – und erhöht die Chancen, seine Anlageziele wirklich zu erreichen.

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