Mitte der 1990er Jahre galten die Volkswirtschaften Ost- und Südostasiens als unaufhaltsame „Tiger“. Doch der Absturz kam schneller als jeder Aufstieg. Die Asienkrise von 1997/98 zeigt bis heute, wie gefährlich die Kombination aus zu viel Fremdkapital, schwacher Regulierung und blinder Spekulation sein kann.

Was war die Asienkrise?

Die Asienkrise begann im März 1997 in Thailand und griff auf mehrere asiatische Staaten über. Am stärksten betroffen waren Indonesien, Südkorea und Thailand. Auch Malaysia, die Philippinen und Singapur spürten die Krise. Die Volksrepublik China und Taiwan blieben größtenteils unberührt.

Ursachen der Asienkrise

Nach der Liberalisierung der Finanzsektoren entstand ein Kreditboom. Das Kreditvolumen wuchs 8-10 Prozent über dem BIP-Wachstum. Ein Großteil der Kredite floss in Aktien und Immobilien – Preise vervielfachten sich. Banken glaubten an gute Sicherheiten, was weitere Kredite begünstigte. Ende 1997 waren 25-40 Prozent der Kredite in Thailand, Indonesien und Malaysia durch Immobilien besichert – eine gefährliche Verwundbarkeit.

Banken verschuldeten sich kurzzeitig in US-Dollar oder Yen, vergaben Kredite aber langfristig in heimischer Währung. Sie vertrauten auf stabile Wechselkurse und verzichteten auf Absicherung. Als der US-Dollar 1997 stark wurde, stiegen die lokalen Währungen real, die Wettbewerbsfähigkeit sank und Leistungsbilanzdefizite wuchsen.

Den kurzfristigen Fremdwährungskrediten standen nur geringe Währungsreserven gegenüber. Die Länder konnten fällige Kredite nicht zurückzahlen.

Eine unzureichende Bankenaufsicht, zu geringe Eigenkapitalquoten und das Vertrauen auf Staatshilfe verschärften die Probleme.

Internationale Spekulation (u.a. George Soros) wettete auf fallende Währungen. Als viele Gläubiger gleichzeitig ihre Forderungen einzogen (Herdenverhalten), kam es zu einem massiven Kapitalabzug – eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale.

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Der Auslöser und die Abwärtsspirale

Die US-Notenbank erhöhte die Zinsen, der Dollar erstarkte. Die Schulden wurden teurer, Exportpreise brachen ein. Am 2. Juli 1997 gab Thailand auf: Der Baht verlor über Nacht die Hälfte seines Wertes. Südkorea musste den IWF rufen, Indonesien erlebte einen politischen Kollaps.

Auswirkungen der Asienkrise

Daher kam es 1998 zu einem drastischen wirtschaftlichen Einbruch, denn das BIP schrumpfte in mehreren Ländern massiv. Gleichzeitig explodierte die Arbeitslosigkeit, während die Wirtschaftswerte fielen:

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Darüber hinaus kam es zu einem massiven Kapitalabzug, denn der US-Dollar-Markt für asiatische Kreditnehmer sank von 33 Mrd. USD pro Jahr (vor der Krise) auf nur noch 8 Mrd. USD (1998).

Zumindest half der IWF, indem er 39 Mrd. USD für Thailand, Indonesien und Südkorea bereitstellte. Allerdings blieb China relativ immun, und zwar dank geringerer Auslandsverschuldung und hoher Devisenreserven.

Im Gegensatz zu Asien hielten die USA ihr Wachstum, sodass der Dow Jones sogar die 10.000er-Marke überschritt. Anders verhielt es sich in Deutschland, denn hier erlitt die Wirtschaft Einbußen von ca. 10 Mrd. DM, wodurch die Wachstumsrate um 0,25 % fiel und die Arbeitslosigkeit um 0,1-0,2 % stieg.

Neben den wirtschaftlichen Folgen traf die Krise auch die Bevölkerung hart, denn es kam zu steigender Arbeitslosigkeit und massiven Realeinkommenseinbußen. Besonders betroffen waren städtische Haushalte, während ländliche Gebiete vergleichsweise glimpflicher davonkamen. Zusätzlich führten Kürzungen der Sozialausgaben dazu, dass Bildung und Gesundheit stark litten. So sank in Malaysia die Patientenzahl in Privatkliniken um 15-50 %, während in Indonesien die Zahl illegaler Abtreibungen und Kindstötungen anstieg.

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IWF in der Asienkrise

Als Reaktion auf die Krise führte der IWF Programme in Indonesien, Südkorea und Thailand durch, wobei die Bedingungen folgende Maßnahmen umfassten:

  • Anhebung der Leitzinsen und Steuern

  • Senkung der Staatsausgaben

  • Strukturreformen im Banken- und Unternehmenssektor

  • Liberalisierung der Märkte

Trotz der Bemühungen des IWF gab es jedoch massive Kritik, denn viele Beobachter sahen die Maßnahmen als problematisch an:

Moral Hazard: Gläubiger gingen erhöhte Risiken ein, weil sie auf IWF-Hilfe vertrauten.

Falsche Maßnahmen: Zinserhöhungen während einer Rezession sind kontraproduktiv, daher verschlimmerten sie die Krise eher.

Vernachlässigung sozialer Maßnahmen: Bildung und Gesundheitsversorgung litten, obwohl gerade diese Bereiche in der Krise gestärkt werden müssten.

Souveränitätsverlust: Staaten wurden dem Weltmarkt ausgeliefert, sodass sie ihre eigenen Interessen kaum noch vertreten konnten.

Abschließend nannte Stanley Fischer (IWF) als interne Ursachen der Krise: das Versagen bei der Eindämmung von Überhitzungsdruck, das zu lange Festhalten an gekoppelten Wechselkursen sowie laxe Aufsichtsregeln.

Lehren der Asienkrise für heute

Die Lehren der Asienkrise lassen sich in vier Punkten zusammenfassen:
Erstens: Vorsicht vor Fremdkapital, denn Verschuldung in fremden Währungen bleibt weiterhin gefährlich.
Zweitens: Die Macht der Spekulation – denn rationales Verhalten kann schnell in Panik umschlagen.
Drittens: Starke Regulierung, denn gerade Bankenaufsicht und Eigenkapitalquoten sind daher entscheidend.
Viertens: Währungsreserven als Schutz – und genau daraus haben die betroffenen Länder gelernt.

Fazit: Die Tiger schwimmen wieder

Die Asienkrise war eine schmerzhafte Lehrstunde. Die betroffenen Länder bauten ihre Reserven auf und verbesserten ihre Finanzsysteme. Für Anleger bleibt die Erinnerung eine Mahnung: Fremdkapital und Spekulation sind mächtige Werkzeuge – aber ohne solide Fundamentaldaten können selbst die stärksten Tiger ins Wasser fallen.

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