Die Finanzwelt blickt gebannt auf einen Markt, der in den letzten Jahren explodiert ist: Private Credit. Während große Banken nach der Finanzkrise strengeren Regeln unterliegen, strömen immer mehr Gelder in dieses wenig regulierte Segment. Doch handelt es sich hier um eine echte tickende Zeitbombe – oder nur um eine warnende Episode, die wir bald vergessen werden?

Was verbirgt sich hinter dem Boom von Private Credit?

Private Credit bedeutet, dass Investoren über spezielle Fonds direkt Kredite an Unternehmen vergeben – ohne den Umweg über Börsen oder klassische Banken. Seit der Finanzkrise hat sich das Volumen dieses Marktes auf rund 1,8 Billionen US-Dollar vervielfacht. Das klingt zunächst nach einer Erfolgsgeschichte. Doch die Kehrseite des Booms wird nun immer sichtbarer: Immer mehr Finanzierungen basieren auf laxen Kreditvergabepraktiken, optimistischen Geschäftserwartungen und intransparenten Strukturen.

Jamie Dimon schlägt Alarm: Das Ausfallrisiko

Jamie Dimon, Chef der größten US-Bank JPMorgan Chase, hat in seinem jährlichen Aktionärsbrief eine deutliche Warnung ausgesprochen. Er befürchtet deutlich größere Ausfallrisiken bei riskanten Unternehmenskrediten. Seine Sorge ist kein theoretisches Gedankenspiel, denn mehrere Unternehmen, die über Private Credit-Fonds finanziert wurden, sind bereits spektakulär pleitegegangen. Die Schweizer Großbank UBS warnt in ihrem Worst-Case-Szenario sogar vor einer Ausfallrate von 15 Prozent.

Mangelnde Liquidität: Das größte Risiko 

Ein weiteres Problem verschärft die Situation: Vielen Private Debt-Vehikeln fehlt es an echter Marktpreisbildung und vor allem an Liquidität. Wenn viele Investoren gleichzeitig ihr Geld abziehen wollen, wird dies schnell zum Problem. Tatsächlich mussten bereits zahlreiche Produkte von Branchengrößen wie Blackrock, Blackstone, KKR, Apollo und Blue Owl die Rücknahme von Anteilen beschränken. Ein Run auf die Fonds hat also bereits begonnen – ein klassisches Zeichen für mangelnde Liquidität.

Auch Deutschland ist vom Private Credit-Boom betroffen

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin schaut deshalb besonders genau hin, denn auch hiesige Versicherer investieren zunehmend in diese Form des Alternative Lending. Zudem planen viele Anbieter, über das neue europäische Investmentvehikel Eltif in dieses Segment zu investieren – was zunehmend kritisch gesehen wird.

 

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Quelle: https://www.pe-magazin.de

Wie systemisch ist das Risiko von Private Credit?

Während manche Beobachter bereits Parallelen zur Hypothekenkrise von 2008 ziehen, gibt Jamie Dimon immerhin eine leichte Entwarnung: Die Probleme seien „wahrscheinlich“ kein systemisches Risiko. Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, denn je mehr Privatanleger über BDCs, Kreditfonds oder ETFs in diesen Markt drängen, desto größer könnte der Schaden bei einer breiten Schieflage werden. Das Ausfallrisiko lässt sich zwar theoretisch kalkulieren, doch in einer echten Krise fallen viele Risiken gleichzeitig an.

Fazit für Anleger: Ist Private Credit eine Zeitbombe?

Private Credit mag auf den ersten Blick attraktive Renditen versprechen. Doch die Risiken – insbesondere mangelnde Liquidität, Intransparenz und das hohe Ausfallrisiko der Kreditnehmer – sind nicht zu unterschätzen. Wer heute in diesen Markt investiert, sollte sich bewusst sein, dass er im Krisenfall womöglich weder an sein Geld kommt noch den tatsächlichen Wert seiner Anteile kennt. Eine kritische Prüfung der eigenen Engagements ist daher dringend anzuraten. Ob Private Credit am Ende doch zur tickenden Zeitbombe wird, wird sich erst in der nächsten großen Finanzkrise zeigen – doch die Warnsignale sollten wir nicht ignorieren.

 

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