Die Stimmung an der Wall Street gleicht einer unaufhaltsamen Party. Doch während die großen Indizes von einem Allzeithoch zum nächsten eilen, braut sich im Hintergrund ein finanzielles Gewitter zusammen: Die US-Wertpapierkredite (sogenannte Margin Debt) haben laut den aktuellen FINRA-Daten ein neues, historisches Rekordhoch erreicht. Anleger pumpen massenhaft geliehenes Geld in den Markt, um ihre Renditen zu maximieren.

Doch die Geschichte zeigt: Wenn die Hebel zu groß werden, steigt die Fallhöhe. Droht den globalen Finanzmärkten jetzt der plötzliche Absturz?

Wertpapierkredite – Der Hebel der Euphorie

Wertpapierkredite erlauben es Investoren, mehr Aktien zu kaufen, als ihr eigenes Kapital eigentlich hergibt. Steigen die Kurse, vervielfacht sich der Gewinn. Das Problem: Fällt der Markt, fordern Broker frisches Geld (Margin Call). Kann der Anleger nicht liefern, werden seine Positionen zwangsverkauft – eine Kettenreaktion nach unten beginnt.

Aktuell erleben wir in den USA eine Phase der absoluten Euphorie. Das getriebene Kapital fließt jedoch nicht gleichmäßig in den Markt, sondern konzentriert sich stark auf wenige, hochbewertete Wachstumstreiber.

Tech-Rallye, Magnificent 7 und Wertpapierkredite

Es ist kein Geheimnis, dass ein Großteil der Gewinne der letzten Jahre auf das Konto der Magnificent 7 – den Tech-Giganten rund um Microsoft, Apple, Nvidia und Co. – geht. Die unbändige Fantasie im Bereich der Künstlichen Intelligenz hat institutionelle und private Anleger gleichermaßen dazu verleitet, ihre Portfolios maximal zu hebeln, um bloß nichts zu verpassen (FOMO).

Parallel dazu zeigt sich der Risikoappetit im gesamten Tech-Sektor: Auch jüngst börsennotierte Schwergewichte wie SpaceX ziehen gigantische Summen an und befeuern das Gefühl, dass Technologie-Investments eine Einbahnstraße nach oben sind. Wenn Investoren liquide Mittel benötigen, um Investments in potentiellen High-Flyern wie SpaceX zu finanzieren, nutzen sie nicht selten Kredite auf ihre bestehenden, liquiden Aktiendepots. Das erhöht die systemische Vernetzung und das Gesamtrisiko im System.

Crash bald? Die historischen Daten

Ein Rekordhoch bei den Wertpapierkrediten ist kein Garant für einen sofortigen Crash, aber es fungiert als seismografisches Warnlicht. Schnelle, steile Ausschläge der Margin Debt gingen den großen Marktkorrekturen der Jahre 2000, 2007 und 2021 unmittelbar voraus.

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Die Risikokennzahl: Entscheidend ist das sogenannte Netto-Guthaben der Investoren (Bargeld abzüglich Kredite). Dieses ist auf ein Rekorddefizit von fast minus einer Billion US-Dollar gerutscht. Das bedeutet: Dem Markt geht die inhärente Liquidität aus, um Kursstürze abzufedern.

Solange die Quartalszahlen der Big Techs die Erwartungen übertreffen, kann dieses Kartenhaus stabil bleiben. Sobald jedoch ein externer Schock – sei es durch die Geopolitik oder unerwartete Zinsänderungen – die Kurse ins Wanken bringt, müssen die ersten gehebelten Positionen glattgestellt werden. Aus Verkäufen werden Zwangsverkäufe, und die Abwärtsspirale beschleunigt sich drastisch.

Fazit: Wachsamkeit bei Wertpapieraktien

Die US-Märkte sind derzeit sprichwörtlich „auf Pump“ gebaut. Für Anleger bedeutet das: Die Party läuft, aber man sollte nahe am Notausgang tanzen. Wer jetzt blind auf den fahrenden Zug aufspringt und selbst Kredite für den Aktienkauf nutzt, geht ein extremes Risiko ein. Ein gesundes Risikomanagement und eine breite Diversifikation außerhalb der maximal überhitzten Sektoren sind aktuell die besten Werkzeuge, um bei einem potenziellen Marktgewitter nicht eiskalt erwischt zu werden.

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