Seit dem militärischen Angriff Russlands auf die Ukraine sind mittlerweile fast 20 Monate vergangen. In den letzten Wochen ist es medial in dieser Angelegenheit jedoch deutlich ruhiger geworden, obschon der Krieg erbarmungslos weitertobt. In den letzten Tagen haben allerdings einige Ereignisse dafür gesorgt, welche die Hoffnung auf ein Kriegsende schüren. Welche Auswirkungen könnte eine Deeskalation im Ukraine-Russland-Konflikt für die Finanzmärkte haben?

USA – vorerst keine weitere Militärhilfe für die Ukraine

Der US-Kongress hat einen Übergangshaushalt verabschiedet, welcher vorerst keine weitere Unterstützung für die Ukraine vorsieht. Ende September wurde die Schuldengrenze in den USA wieder erhöht, sodass der Staat vorerst liquide bleibt. In diesem Übergangshaushalt wurde klar geregelt, dass die Ukraine zunächst bis Mitte November keine weitere finanzielle Unterstützung erhalten wird. Seit Kriegsbeginn haben die vereinigten Staaten allein an Militärhilfe deutlich mehr als 40 Milliarden US-Dollar bereitgestellt.

Die US-Regierung betonte zwar der Ukraine weiterhin helfen zu wollen, doch die aktuelle Entscheidung ist ein herber Dämpfer für die ukrainische Militärstärke. Gleichzeitig fordert die USA die EU zum Handeln auf. Doch auch hier gibt es immer mehr Kritiker für weitere Militärhilfen. In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass die europäischen Kassen ebenfalls leer sind und die jeweiligen Länder mit eigenen Problemen zu kämpfen haben. Diese geringer werdende Militärunterstützung und die Tatsache, dass die bisherige Gegenoffensive schleppend verläuft, erhöhen die Chancen, dass die Ukraine bereit ist, Verhandlungen zu führen.

Wahlergebnis in der Slowakei kann Ukraine gegenüber Russland schwächen 

Die Ukraine musste am Wochenende eine weitere schlechte Nachricht verdauen, welche ebenfalls deutliche Auswirkungen auf die Militärhilfe haben könnte. Ex-Premier Fico hat die Wahl in der Slowakei gewonnen. Linksnationalist Fico will die Militärhilfe für das Land beenden. Doch noch ist unklar, ob er Koalitionspartner findet. Statt Militärhilfe möchte Fico nur noch humanitäre Hilfe leisten. Hier wird die Regierungsbildung sowohl aus ukrainischer als auch aus russischer Sicht sehr genau beobachtet werden. Dieses Wahlergebnis macht aber auch deutlich, dass die slowakische Bevölkerung sich gegen weitere Militärhilfen ausgesprochen haben.

Sanktionen gegen Russland verfehlen Wirkung

Nach Ausbruch des Krieges haben die westlichen Länder versucht, Russland durch Sanktionen zu schaden. Vor allem bei den Energierohstoffen ist dies schief gegangen. Die vom Westen verhängte Preisobergrenze für russisches Öl in Höhe von 60 Dollar pro Barrel ist gescheitert. Denn das Land verkauft seine wichtigste Ölsorte für 80 Dollar und somit gut 30 Prozent über der Obergrenze. Indien, der drittgrößte Erdöl-Importeur der Welt, ist als Folge der westlichen Sanktionen gegen Moskau zum wichtigsten Abnehmer von russischem Erdöl auf dem Seeweg geworden und importiert vor allem Ural-Öl. Hinter Indien war die Türkei im September der zweitgrößte Abnehmer von Ural-Öl aus Russland, gefolgt von China und Bulgarien.

 

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Quelle: Infront

Die westlichen Sanktionen wirken nicht nur, sondern sind zudem schädigend für westliche Unternehmen. Die westliche Preisobergrenze besagt nämlich, dass die Käufer von russischem Rohöl nur dann westliche Dienstleistungen wie Verschiffungen und Versicherungen in Anspruch nehmen dürfen, falls der Kaufpreis unterhalb von 60 Dollar pro Barrel liegt. In der Folge ist die weltweite Inanspruchnahme westlicher Schifffahrts- und Versicherungsunternehmen drastisch zurückgegangen.

In Sachen Energierohstoffe ist zu bedenken, dass der Winter vor der Tür steht. Hier ist Russland im Vorteil, da es ohne Energie aus Russland für Westeuropa trotz Erhöhung der Lager kaum möglich ist, genug Rohstoffe zu einem niedrigen Preis zu beziehen. Sollte es im Winter zu Energieengpässen kommen, könnte dies auch zur Lockerung der entsprechenden Sanktionen führen.

Was eine Deeskalation für die Finanzmärkte und Russland bedeuten könnte

Hinter den Kulissen werden die Stimmen, welche Friedenverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland fordern immer lauter. Dies könnte positive Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben. Auch was den Handel mit russischen Aktien und die Auszahlung russischer Anleihen angeht. Russische Staatsanleihen, welche in den letzten Monaten fällig wurden, sind zwar von Russland in Rubel gezahlt, aufgrund der Sanktionen aber nicht an EU-Anleger ausgezahlt worden.

Darüber hinaus wird die Entwicklung der Energierohstoffe stark am weiteren Verlauf des Ukraine-Russland Konflikts gekoppelt sein.  Sollte es zu einer Entspannung kommen, dürften die Preise für Öl und Gas nachgeben. Dies wäre vor allem für Unternehmen wichtig, welche unter den hohen Energiekosten leiden. Durch diesen Effekt könnten die Gewinnmargen wieder ansteigen und sich positiv auf die Aktienkurse dieser Unternehmen auswirken. Somit sollten Anleger die Entwicklung im Russland-Ukraine-Konflikt genauesten verfolgen.